Wie viele Menschen beladen ihr Boot auf dieser Reise so sehr mit unnützen Sachen, daß es vollzulaufen droht?! Sachen, von denen sie glauben, daß sie dem Vergnügen und der Bequemlichkeit der Fahrt dienen, die aber eigentlich nichts als Ballast sind.

Bis an die Mastspitzen stapeln sie ihr schwaches kleines Fahrzeug voll, mit schicken Kleidern und imposanten Häusern, mit überflüssigem Personal und einer Masse feiner Freunde, denen sie höchstens ein müdes Lächeln wert sind und für die sie selbst noch nicht mal das investieren würden, mit teurem Spielzeug, mit dem niemand spielt, mit Ritualen und Moden, mit schönem Schein und dickem Protz, mit - und das ist der schwerste, idiotischste Ballast überhaupt! -, mit der Furcht vor dem, was die Nachbarn sagen könnten, mit Luxus, der ihnen hochkommt, mit Amüsement, das sie zu Tode langweilt, mit hohlem Getue, das Kopfschmerz und Schwindel verursacht, wie die Eisenkrone, die einst Verbrechern aufgesetzt wurde.

Ballast ist das, Mensch, nichts als Ballast! Wirf ihn doch über Bord! Dein Boot wird so unbeweglich davon, daß dir an den Riemen schwarz vor Augen wird. Es ist so schwer zu steuern, die Fahrt ist so riskant, daß du vor lauter Angst und Sorge die Freiheit des Moments gar nicht mehr wahrnimmst, nie träge träumend einen Tag vertrödelst. Wann siehst du je die windgetriebnen Schatten übers flache Wasser gleiten? Wann huscht dein Auge mit den Sonnenstrahlen funkelnd durch die kleinen Wellen? Du siehst nicht, wie die großen Uferbäume ihr Spiegelbild im Wasser schauen, hast keine Zeit, den Wäldern, den grün-goldnen, einen Blick zu schenken, den weißen Maiglöckchen, den gelben Narzissen, dem dunklen Schilf, dem wiegenden Riedgras, dem Knabenkraut und dem Vergißmeinnicht.

Wirf diesen Plunder fort, Mensch! Dein Lebensboot sei leicht; nur was du wirklich brauchst, soll es beschweren: ein warmes Heim und schlichte Freuden, ein, zwei Freunde, die die Bezeichnung wert sind, jemand, den du liebst, und jemand, der dich liebt, eine Katze, ein Hund und ein paar Pfeifen, genug zu essen, genug zum Anziehen und ein bißchen mehr als genug zu trinken, denn Durst ist eine üble Sache.

So steuert sich dein Boot viel besser; es kentert nicht so leicht, und wenn es kentern sollte, dann ist der Schaden nicht so groß, denn solide, schlichte Dinge halten Wasser aus. Und Zeit hast du - Zeit zu denken, Zeit zu handeln, Zeit, die Lebenssonne aufzusaugen. Zeit, dich an die Äolsklänge hinzugeben, die der Himmelswind allüberall der Harfe der Menschenherzen entlockt...

Jerome K. Jerome